
Zwölf Jahre alt ist Joachim Lenk, als er 1974 sein erstes Autogramm von Außenminister Hans-Dietrich Genscher (links) bei einer Wahlveranstaltung ergattert. Heute sind es mehr als 30.000. Auf eine Personengruppe hat sich der Blaubeurer nicht spezialisiert. Er sammelte von 1974 bis 2004 alles, was Rang und Namen hat. Von Weltmeistern im Dauerbaden und, amerikanischen Präsidenten, bis hin zu historischen Dokumenten. Der Älbler besitzt damit eine der umfangreichsten Sammlungen in Deutschland. Gedruckte und gestempelte Signaturen interessierten ihn nicht. Vervielfältigungen, Faksimile- oder Automaten- Autogramme sowie Drucke wanderten bei ihm gleich in den Papierkorb. Joachim Lenk sammelte nur Handgeschriebenes.
Die Unterschriften erhielt der Ex-Sammler nicht von Plattenfirmen, Parteizentralen oder Fanclubs, vielmehr wendete er sich brieflich oder persönlich an die prominenten Zeitgenossen. Zwischen 1974 und 1990 bekam der Blaubeurer rund 2.500 Prominente vor den Kugelschreiber. Anfang der 80er-Jahre nahm ihn der amerikanische „Universal Autograph Collectors Club”, wenig später die deutsche „Arbeitsgemeinschaft der Autographensammler” Lenk als Mitglied auf.
Immer wieder berichten Zeitschriften im In- und Ausland über die mehr als 30.000 Autogramme. Alle großen deutschen Rundfunkstationen porträtierten den Blaubeurer.
Im Fernsehen (Fotos) wurde die Sammlung in sechs Sendungen weltweit einem Millionenpublikum vorgestellt (siehe:TV-Auftritte). Zu sehen ist eine Auswahl der Signaturen auch bei Ausstellungen, die der Blaubeurer jährlich in ganz Deutschland veranstaltet. Bei den Vernissagen erzählt er die Geschichten, die er in den vergangenen Jahrzehnten mit Prominenten aus der ganzen Welt erlebt hat (siehe: A
usstellungen). Einige Anekdoten sind hier zu lesen.
„Ich wünsche ihnen ein besseres, ein gescheiteres Hobby als eifriges Autogramme-Sammlen“, schreibt der sowjetische Dissident und Friedenspreisträger Lew Kopelew und hat dabei wohl gedacht: Der hat sie nicht alle. Aber er hat sie alle: Die bedeutenden und unbedeutenden Promis dieser Welt. Als Schüler holt sich Lenk viele Signaturen noch persönlich. Bei Konzerten, Wahl- und Sportveranstaltungen und unzähligen Autogrammstunden.
Was ist der Reiz an diesem Hobby? Was gibt ein Prominenter durch sein in Sekundenschnelle gekritzeltes Autogramm von seiner Persönlichkeit weiter? „Eine Unterschrift“, philosophiert der Sammler, „ist im Zeitalter von E-Mail und Fax das letzte Persönliche, das ein Mensch von sich geben kann. Sie ist etwas Einmaliges, das sich nach Stimmungslage und Laune ändert.“
Wenn Lenk in seinem Unterschriftenfundus blättert, dann fällt ihm beinahe zu jedem Exemplar eine Geschichte ein: Wie beispielsweise die mit dem Golden Gate Quartett. Den amerikanischen Musikern lauert er 1977 im rund 20 Kilometer entfernten Ulm an der Donau auf, wo sie für ein Konzert gastierten. „Da habe ich mir die Beine in den Bauch gestanden, die tauchten einfach nicht auf.“ Dafür erscheint eine junge Frau, die Lenk fragt, ob er beim Tragen der Instrumente in den ersten Stock behilflich sein könne. Na klar, er hilft. Später stellt sich heraus, dass die Dunkelhaarige die Tour- Managerin ist. Glück für den Älbler. Er erhält nicht nur eine Freikarte für die erste Reihe, er darf nach dem Konzert als einziger hinter die Bühne, wo die Gruppe bereitwillig Autogramme schreibt (Foto).

Tage später steht ein Konzert mit „Status Quo“ auf dem Programm. Der Sammler wartet wie gewöhnlich vor dem Hintereingang der Ulmer Donauhalle. Nicht die Musiker, sondern ein Mann des Sicherheitsdienstes kommt auf den 17-Jährigen zu. Nicht, um ihn des Feldes zu verweisen. Vielmehr bittet er Lenk händeringend, am Abend auszuhelfen, da Saalordner ausgefallen seien. Lohn dafür: Freier Eintritt, 20 Mark bar auf die Hand und, was viel wichtiger ist, Autogramme beim Sound-Check von Rick Parfitt & Co.
Manchmal wartet der Schüler auch vor den Hotels in Ulm, in denen die Promis abstiegen. Zu der damaligen Zeit kein Problem, denn es kommen nur zwei Nobelherbergen in Frage. Oft helfen die Angestellten an der Rezeption weiter. Und es kommt wieder zu interessanten Begegnungen:
Der österreichische Liedermacher Georg Danzer lädt den Sammler zum Frühstück ein, Bobby Farell von „Boney M.“ (oben) signiert erst die Autogrammkarten, nachdem Joachim Lenk ihm einen Tipp für ein Abendlokal nach dem Auftritt gegeben hat. Alexis Korner (rechts) bietet dem Nichtraucher einen Joint an, den er dankend ablehnt. Marika Rökk lehnt indes die Bitte ab, die mitgebrachten Fotos im Hotel zu signieren. „Kommen sie zu meiner Vorstellung, da unterschreibe ich alles“, sagt sie barsch. Gutes Zureden ihrer Managerin stimmte die Schauspielerin um, doch noch zwei Autogramme zu schreiben.
Letztendlich zücken alle Prominente, die Joachim Lenk zwischen 1974 und 1990 trifft, den Kugelschreiber. Bis auf Frank
Zappa, der sich nach dem Konzert weigert, seinen Namenszug zu Papier zu bringen. Art Garfunkel (rechts) signiert dafür zwei Bilder, obwohl seine Bodyguards dem Sammler zuvor mit ihren Ellenbogen klar gemacht haben, dass der Sänger nicht gestört werden wolle. Das gleiche Spiel auch bei Joe Cocker (links). Auch dieser sympathische Musiker pfeift seine beiden Beschützer zurück und nimmt den Kugelschreiber in die Hand.

Seit 2002 kennen alle Gymnasiasten in Frankreich den Sammler aus Süddeutschland. In dem Französich-Deutsch-Lehrbuch „Kontakt 1re allemand”, die Pflichtlektüre der Schüler der 12. Klasse, wird auf Seite 18 Joachim Lenk und seine Homepage unter der Überschrift „Ein interessantes Hobby oder Zeitverschwendung?” in deutscher Sprache vorgestellt. Diesen Text müssen die jungen Franzosen übersetzen und Fragen beantworten. So wollen die Autoren zum Beispiel wissen, „welche Mittel der Autogrammjäger benutzt, um die Unterschriften von Prominenten zu bekommen”. Außerdem soll in einer Kleingruppe darüber diskutiert werden, ob die Schüler die Leidenschaft dieses Hobby verstehen.
Lenk muss an Peter Ustinov (rechts) denken. Der Schauspieler erzählte einmal, dass er aus einem großen Hotel ausgezogen sei, weil es dort zu viele Autogrammjäger gegeben habe. Nach wenigen Tagen jedoch wechselte er von dem kleinen Hotel, in das er geflohen war, wieder in das große zurück. Auf die Frage, warum er denn das getan habe, antwortete er schmunzelnd: „Zu wenig Autogrammjäger.”
Mike Oldfield stattet Ulm einen Besuch ab. Wie so oft macht sich Lenk mit seinem Mofa Richtung Donauhalle auf. An diesem Tag kommt er zu spät. Der Musiker ist bereits in der Garderobe. Seine Bitte, vorgelassen zu werden, wird nicht erhört. Enttäuscht schwingt sich der Blaubeurer auf sein Zweirad. Plötzlich pfeift der Chauffeur von Oldfield den Schüler zurück und fragt: „Wo ist denn hier die nächste Tankstelle?“ Der Sammler erklärt den Weg. Anscheinend so umständlich, dass der Fahrer den Deutschen bittet, einfach in Oldfields Limousine einzusteigen und mitzufahren. Lenk lässt sich nicht zwei Mal bitten. Wann hat man schon mal so eine Gelegenheit, in einem solchen Auto zu sitzen? Im Gegenzug für diese kleine Gefälligkeit handelt er ein kurzes Treffen mit dem Musiker aus.
So viel Glück hat der Sammler nicht immer. Um in den 70er-Jahre an die Fußballspieler des FC Bayern zu gelangen, die zu einem Freundschaftsspiel gegen den SSV Ulm an die Donau kommen, musst der Schüler tief in die Trickkiste greifen, um an die Autogramme von Franz Beckenbauer (Foto), Sepp Maier, Gerd Müller und Co. zu gelangen. Dieses Mal steht er nicht alleine vor dem Kabineneingang des Stadions. Außer ihm wollten weitere 300 Fans die Signaturen der Mannschaft ergattern. „Keine Chance“, denkt sich Lenk. Plötzlich kommt ihm doch noch die rettende Idee. Er zieht sich seine Baseballmütze tief ins Gesicht, schnappt sich einen Ständer Mineralwasser, der neben dem Eingang steht, geht auf die Türsteher zu und sagt, dass er die Getränke den Spielern bringen müsse. Und siehe da: Dieser Trick funktioniert.
Um zu „Smokie“ (Foto links: Terry Uttley) vorgelassen zu werden, gibt sich Lenk als Mitarbeiter einer
Schülerzeitung aus. Um an die „Rolling Stones“ zu kommen, schmuggelt sich der Blaubeurer 1982 in die Tiefgarage des „Hilton“ in München. Er hat gehört, dass Mick Jagger (rechts) und seine Mannen nach ihrem Konzert im Olympia- Stadion nicht durch den Haupteingang ins Hotel gehen würden. Ein Tipp, der mehr als Gold wert war.
Andreas Grasmüller ist nicht nur Advokat, sondern auch TV-bekannter Tierschützer. Ein Grund für Lenk, bei seinem Besuch in der bayerischen Landeshauptstadt dem Rechtsanwalt in seiner Kanzlei einen Besuch abzustatten. Das begehrte Autogramm gibt es an diesem Tag aber nicht. „Im Tierschutz bin ich ehrenamtlich tätig und zwar in meiner Freizeit, von Beruf bin ich Rechtsanwalt. Wir unterliegen ganz strengen standesrechtlichen Vorschriften, die es verbieten, dass wir für uns selbst mittel- oder unmittelbare Werbung betreiben“, sagt Grasmüller dem verdutzten Sammler ins Gesicht. „Und wenn Sie mir das schreiben, was Sie mir gerade gesagt haben?“, fragt Lenk scheinheilig nach. In der Hoffnung, dass Grasmüller am Ende des Briefes „Mit freundlichen Grüßen“ unterschreibt. Der Tierschützer muss über diesen ungewöhnlichen Vorschlag schmunzeln und diktiert sofort seiner Sekretärin ein entsprechendes Schreiben in die Maschine.
Ein ähnliches Erlebnis gibt es mit Karl Lehmann zwei Jahre später. „Ein Bischof ist zwar ein Mann des öffentlichen Lebens, aber er kann sich nicht von seinem religiösen Verständnis her auf die Stufe der Prominenz stellen, zu denen das Verteilen signierter Fotos gehört“, schreibt Karl Lehmann, Bischof von Mainz, dem Sammler in einem Brief. Aber der Geistliche drückt beide Augen zu, wünscht Gottes Segen und regt an, „die Unterschrift am Ende dieses Briefes als Autogramm zu nehmen“.

Kein derartiges Problem hat dagegen der Dalai Lama (links). Das weltliche und religiöse Oberhaupt von Tibet lässt dem Sammler ein großes signiertes Bild zukommen. Auch Prominente wie Alfred Hitchcock, Neil Armstrong, Robert Stolz, Abba, Soraya, Marlene Dietrich, Claudia Schiffer, Salvadore Dali, Indira Ghandi, Sigmund Jähn, Mutter Teresa (rechts), Cary Grant, Bee Gees, Joe Luis, Placido Domingo, Elizabeth Taylor, Ingrid Bergmann, Paul Newmann und Grace Kelly antworten.
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen... Den Trip nach Südafrika vergisst Joachim Lenk nicht so schnell. Noch bevor das Flugzeug abhebt, läuft ihm in der Abflughalle in Frankfurt Rudi Völler, Teamchef der deutschen Fußballnationalmannschaft, über den Weg. Dreizehn Stunden später im Hotel in Sun City wundert sich der Blaubeurer über die fünf schwarz gekleideten muskulösen Männern, die vor der Suite 5005 sitzen und jeden Gast von oben bis unten streng mustern, der dem Zimmer zu nahe kommt. Lenk fragt bei der Rezeption nach, ob „jemand Wichtiges“ im Hotel abgestiegen sei. Kopfnicken hinter der Theke. „Staatspräsident Thabo Mbeki logiert bei uns, der ist öfter hier“, gibt die junge Südafrikanerin bereitwillig Auskunft. Lenk lässt sich Kugelschreiber und Papier reichen und schreibt dem Politiker einen kurzen Brief, den ein Bote nach oben bringt. Zwei Tage später liegt die gewünschte Unterschrift im Zimmer des Deutsche
n.
Bei der Abreise winkt die junge Frau an der Rezeption Lenk zu sich her. „Kürzlich war bei uns Michael Jackson, der hat auf dem Zettel unterschrieben, Sie haben dafür bestimmt mehr Verwendung als ich“, sagt sie und überreichte dem Sammler die seltene Unterschrift des Superstars (links). Noch immer in Gedanken an den amerikanischen Sänger, wartet Lenk Stunden später im Flughafen Johannesburg auf den Abflug. „Den kenn’ ich doch“, denkt er sich beim Einchecken. Gemeint damit ist der Mann, der vor ihm in der Reihe steht: Es ist der Champions- League-Gewinner Sammy Kuffour, Fußballspieler des FC Bayern München (rechts).
Heinz Fallak, Mitglied des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland, entdeckte 1988 einen der zahlreichen Berichte über den Sammler in der Zeitung. Anscheinend hat es Lenks Hobby dem Organisationschef der Mannschaft in Seoul so angetan, denn er schickt dem Blaubeurer unaufgefordert eine große Karte, auf der sich alle Sportler verewigt haben. „Ich würde mich freuen, wenn Sie ein wenig Spaß daran hätten“, schreibt er in seinem Begleitschreiben. Keine Frage. Die Überraschung ist ihm gelungen.
Zu den Raritäten zählt auch ein Foto aus dem Jahr 1982, auf dem die beiden deutschen Staatschefs Erich Honecker (DDR) und Bundeskanzler Helmut Schmidt (BRD) gemeinsam unterschrieben haben. Während der real existierende Sozialist postwendend für den Bundesbürger unterzeichnet, lässt sich der westdeutsche Politiker ganz schön bitten. Nachdem Lenks schriftliche Anfragen fehlgeschlagen ist, spannt er kurz entschlossen den Bonner ARD-Journalisten Ernst Dieter Lueg für seine Sache ein, beim nächsten Interview die Fotos vom Kanzler signieren zu lassen. Nach wenigen Wochen meldet der Redakteur Vollzug. Nach dem Fall der Mauer erfährt der Sammler von einem ostdeutschen Tauschpartner, dass der Vorsitzende des Staatsrats seinen Landsleuten die Unterschrift zu DDR-Zeiten immer verwehrt hatte. Mit der Begründung: Im Arbeiter- und Bauernstaat sind alle gleich, deshalb werde er diese Bitte nicht erfüllt.
Das ist nicht das einzige Mal, dass der Blaubeurer Prominente für seine Sammlerleidenschaft um Mithilfe bittet. So besorgt ihm zum Beispiel Alfred Biolek eine Originalunterschrift von Ex-Beatle Paul McCartney (Foto), der in seiner Sendung „Bios Bahnhof“ auftritt. 1983 ist es Kanzlergattin Hannelore Kohl, die sich der Sammler vorknöpft. Und es klappt wieder. Wenig Tage später flattert ein mit persönlicher Widmung versehenes Foto ihres Mannes Helmut in den Briefkasten.
Hermann Neuberger, Präsident des Deutschen Fußballbundes, krönt die umfnagreiche Sammlung mit einer komplett unterschriebenen farbige Postkarte der Nationalmannschaft, die bei der Weltmeisterschaft in Mexiko weilt (rechts). Auch der Präsident des VfB Stuttgart, Gerhard Mayer-Vorfelder, ist sich 1988 nicht zu schade, dem Sammler von jedem Fußballspieler der ersten Mannschaft unterschriebene Bilder zu besorgen. Nicht nur die Herren in den Chefetagen helfen dem Älbler weiter. Klaus Flitsch, Zeugwart mit eigener Autogrammkarte beim Zweitligisten SSV Reutlingen, bringt ihm einen kompletten Satz signierter Fotos von den Profikickers mit.
Anfang der 90er-Jahre ist Bundesfinanzminister Theo Waigel an der Reihe. Lenk besucht den CSU- Politiker, der seinen Wahlkreis in Neu-Ulm hat, während einer Sprechstunde und bittet ihn, ein signiertes Gruppenbild der Bundesregierung (links) mitzubringen. Sechs Jahre später lässt Jürgen Meyer, SPD-MdB im Wahlkreis des Sammlers, während einer Fraktion
ssitzung Bundeskanzler Gerhard Schröder (rechts) ein Farbfoto mit persönlicher Widmung versehen. Nicht nur Bundestagsabgeordnete, auch der stellvertretende Vorsitzende der FDP/DVP-Fraktion in Baden- Württemberg hilft prompt weiter. MdL Horst Glück lässt ein Gruppenfoto von Ministerpräsident Erwin Teufel und seinen Kabinettsmitgliedern im Landtag signieren. „Ausnahmsweise hat es geklappt”, schreibt Friedbert Pflüger, Pressesprecher des Bundespräsidenten, und legt ein von Richard von Weizsäcker unterschriebenes Foto bei.
Marc Chagall ist dafür bekannt, dass er keine Autogramme mehr gibt. Trotzdem schreibt Lenk den Künstler vier Mal in Frankreich an. Vier Mal ohne Erfolg. Dann macht sich der Jäger-Meister einen Service der Deutschen Bundespost zunutze. Er schickt Chagall eine eigenhändige Einschreibsendung mit Rückschein ins Haus (Abbildung). Der Trick funktioniert reibungslos. Der Maler unterschriebt den blassroten Zettel, der an den Absender zurück geht. Versuche dieser Art von anderen Sammlern scheitern. Der aus Russland stammende weltbekannte Künstler verweigert seit diesem Zeitpunkt Sendungen dieser Art verweigert.
Ein paar Wochen später gibt Rolling-Stones-Gitarrist Bill Wyman im Fernsehen ein Interview, in dem er verrät, dass er seit kurzem Nachbar des Malers sei. Lenk schnappt sich sofort einen Briefumschlag und schreibt den Namen des Musikers sowie den Zusatz „wohnt in der Nähe von Marc Chagall, St. Paul de Vence bei Nizza“ darauf. Einen Monat später antwortet Wyman (links) mit einem großen Schwarz-Weiß-Foto.
Gänzlich unkompliziert gestaltet sich indes die Autogrammbeschaffung beim libyschen Staatspräsidenten Muammar El Kadhafi. Der Oberst, ein berüchtigter Freund des Personenkults, schickt nicht nur eine besonders schön geschwungene Unterschrift, sondern legt auch gleich noch ein übersetztes Redemanuskript bei, das von „der hiesigen Presse infolge des amerikanischen Drucks, der gegen das glorreiche deutsche Volk ausgeübt wird“, nicht veröffentlicht worden sei. Freundlich ist auch PLO-Chef Yasser Arafat (Foto), der Lenk „revolutionäre Grüße“ aus dem Nahen Osten sendet und ihm mitteilte, „dass der Kampf bis zum Frieden andauert“.
Ebenfalls ein höflicher Mann ist der Staatspräsident von Mexiko Jose Portillo (rechts), der 1982 per Telegramm ausrichten lässt, dass die Bitte um ein Autogramm im Regierungssitz eingegangen sei. Wenige Tage später kommt erneut der Postbote kurz vor Mitternacht. Dieses Mal teilt der Sekretär Portillos mit, sein Chef werde in den nächsten Tagen unterschreiben. Beide Nachrichten müssen für das mittelamerikanische Land von besonderer Bedeutung gewesen sein, denn die Botschaften wurde jeweils per Blitztelegramm für 300 Mark übermittelt.
Nicht immer werden schriftlichen Bitten nach Signaturen erfüllt. Der Kanzler-Spion Günter Guillaume, der Willy Brandt stürzte, lässt 1977 über seinen Rechtsanwalt ausrichten, dass er „aus grundsätzlichen Erwägungen keine Autogramme gibt“. Das britische Konsulat schreibt 1980, dass Prime Minister Margarete Thatcher „wegen der unzähligen Anfragen keine Originalautogramme verschickt“. Und das Weiße Haus in Washington teilt 1977 mit, der amerikanische Präsident Jimmy Carter habe wegen seiner vielen Terminen keine Zeit, Autogramme zu schreiben. Der russische Botschafter in Deutschland lässt 1980 ausrichten, dass die Vergabe von Originalunterschriften des sowjetischen Staatspräsidenten Leonid Iljitsch Breschnew für Sammlerzwecke nicht üblich sei.
Auch der Buckingham Palast in London stellt sich stur. Die Königin gibt nur persönlichen Freunden Autogramme, macht die Hofdame klar. Kooperativer dagegen Cephas Bansah, der König von Ghana. Der schickt nicht nur seine Unterschrift nach Deutschland, sondern legt auch noch ein Video von seiner Krönung bei. Jordaniens König Hussein (Foto) und seine Frau Noor antworten ebenfalls umgehend.
Davon können sich die Monarchen der Niederlande eine Scheibe abschneiden. Die lassen über den „Privatsekretär Ihrer Majestät der Königin und Seiner Königlichen Hoheit Prinz Claus“ 1985 mitteilen, dass es „schon seit vielen Jahren eine feste Gewohnheit der Mitglieder des Königlichen Hauses ist, keine Autogramme zu geben“.
Kein Erbarmen auch bei den Herren der Ulmer Vollzugsanstalt, in der Ende der 80er-Jahre Konrad Kujau, der Fälscher der Hitler-Tagebücher, seine Strafe verbüßt. Das Schreiben mit der Bitte um eine Unterschrift schickt der Anstaltsleiter zurück, das er „gemäß § 31 Abs. 1 Ziff. 1 StVollzG angehalten habe, da insbesondere Autogrammwünsche mit den Zielen des Vollzuges nicht in Einklang zu bringen sind“.
Apropos Tagebücher. Just in diesen Tagen, als der „Stern“ die angeblichen Aufzeichnungen Hitlers abdruckt, bitte Lenk den Generalleutnant a. D. Hans Baur um seine Signatur. Bei dieser Gelegenheit fragt er gleich den ehemaligen Chefpiloten Hitlers, was er von den Veröffentlichungen halte. Und der antworte prompt: „Sie sind echt. Ich habe sofort die Schrift des Führers erkannt. Schon in meinem Buch habe ich auf Seite 268 und 269 geschrieben, dass er ein Tagebuch geführt hatte.“ Dem Brief legt Baur ein unterschriebenes Jugendfoto bei, das ihn zusammen mit seinem ehemaligen Vorgesetzten im Jahr 1938 zeigt.
Der amerikanische Bandleader Ray Conniff schickt nicht nur die gewünschten Fotos, er legt noch einen handschriftlich verfassten Brief bei, in dem er bat, niemandem die Privatadresse zu geben, an die Joachim Lenk ein paar Wochen zuvor geschrieben hat. „Ich möchte nicht, dass die Fans mich hier aufsuchen“, schreibt der Musiker und verweist auf die Anschrift seines Büros in Encino/California.
Ende der 80er-Jahre bittet Lenk Ayatollah Khomeini um seine Unterschrift. Geantwortet hat der iranische Revolutionsführer nicht. Erst neun Jahre nach seinem Tod kommt ein Brief aus Tehran. S.S. Mousavi von der „International Affairs Division“ entschuldigt sich, dass das Schreiben aus Deutschland nie beantwortet wurde. Khomeini habe keine Mitarbeiter gehabt, die seine Korrespondenz hätten erledigen können, steht dort zu lesen. Als Wiedergutmachung liegt ein Foto des Verstorbenen aus jungen Jahren bei. Khomeinis Vorgänger, Präsident Abholhassan Bani-Sadr (rechts), den der Revolutionsführer nach seiner Machtübernahme in Exil nach Frankreich vertrieben hat, antwortet übrigens innerhalb eines Monats. Pikant: Als Absender steht auf dem Briefumschlag „President Office, 94230 Cachan, France.“
Mehr als ein Jahrzehnt geht ins Land, bis Ex-Fußball-Bundesligaspieler Paul Hahn (FKC Uerdingen von 1975 bis 1981) sich rührt. Nicht ohne Grund, wie er im April 1992 mitteilt: „Beim Umbau des Kinderzimmers habe ich einen Stapel Post entdeckt, die einer meiner beiden vier- und sechsjährigen Jungen anscheinend vor Jahren gehortet haben. Dabei waren auch einige Briefe mit Autogrammwünschen. Deshalb sende ich Ihnen die gewünschten Karten nachträglich zu, in der Hoffnung, dass Sie noch sammeln und Freude daran haben.“
“By owl post” antwortet Fiddy Henderson, die persönliche Sekretärin von J. K. Rowling. Leider liegt kein Autogramm der englischen Autorin bei. Warum? Ganz einfach. Sie hat keine Zeit, Fotos zu signieren. Rowling ist damit beschäftigt, den sechsten Band von “Harry Potter” fertig zu schreiben, steht auf dem gelben Briefpapier, das mit Sternen, einer Eule und einer Spinne verziert ist.
Jeder trägt übrigens in seinem Geldbeutel Autogramme mit sich herum. Das kann nicht sein? Doch. Einfach mal nachschauen. Auf jedem Euro-Schein befindet sich der Schriftzug von Willem F. Duisenberg. Damit fängt Sammler Lenk nichts an. Vervielfältigungen sind bekanntlich nicht seine Sache. Deshalb bittet es 2002 den Präsidenten der Europäischen Zentralbank um eine Originalunterschrift, die er nach wenigen Tagen bekommt. Nicht auf einem Geldschein, sondern auf einer Fotografie, die für den Blaubeurer genau so wertvoll ist.
Der amerikanische Gouverneur von New Hampshire, Stephen Merriell, schickt nicht nur sein Autogramm nach Europa, er macht dem Sammler auch seinen Staat schmackhaft. „Machen Sie bei uns einmal Urlaub, es wird Ihnen sicherlich bei uns gefallen“, schreibt der US-Politiker und legt gleich noch ein paar Hochglanzprospekte bei.
Die Sekretärin des Vorstandsvorsitzenden von Daimler Benz teilt 1991 mit, dass Edzard Reuter „grundsätzlich keine Autogramme gibt“. Acht Jahre später kommt Lenk doch noch an die begehrte Unterschrift. Er trifft den vermeintlich schreibfaulen Reuter auf der Königstraße in Stuttgart. Der zeigte sich sehr überrascht, als ihm der Sammler die Geschichte seiner ehemaligen Vorzimmer-Dame erzählt. „Diese Art von Briefen sind mir damals anscheinend nicht vorgelegt worden“, entschuldigt sich Reuter, schreibt sich die Adresse des Blaubeurers auf und sendet ihm wenige Tage später drei handsignierte Fotos.
Reuter ist in den vergangenen Jahrzehnten nicht der einzige Promi, dem Lenk zufällig über den Weg läuft beziehungsweise an ihm vorbei schwimmt. Sie lesen richtig, vorbei schwimmt. Es klingt unglaublich, ist aber wahr. Lenk grault gemächlich seine Runden im Ulmer Stadtbad, als plötzlich, so schnell wie ein Hai, ein Mann an ihm vorbeizieht. Lenk traut seinen Augen nicht, als der Athlet aus dem Becken steigt. Er sieht aus wie Mark Spitz, der ein paar Monate zuvor sieben Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen in München gewonnen hat. „Das gibt es doch nicht, ich träume“, denkt sich der Sammler. Trotzdem folgt er dem Mann, nimmt seinen ganzen Mut zusammen und fragt ihn, ob er Mr. Spitz sei und er Autogramme geben würde? „Sure“, nickt der sympathische Sportler, öffnet die Sporttasche und setzt seinen „John Hancock“, wie der „Friedrich Wilhelm“ von den US-Amerikanern genannt wird, unter ein Farbfoto.
Einen weiteren Superstar der USA trifft Lenk wenige Wochen später bei einem Spaziergang entlang der Donau in Neu-Ulm, wo sich ein Nobelhotel befindet. Eine schwarze Limousine mit abgedunkelten Scheiben fährt vor, eine Frau steigt aus und ist sofort von drei kräftigen Bodyguards umgeben. Ohne es zu wissen, wen er da vor sich hatte, folgt der Sammler der Dunkelhaarigen und bittet sie einfach um „an autograph“. Die zieht aus ihrer Handtasche ein Foto und kritzelte „Your Friend, Loretta Lynn“ darauf. Lenk staunt nicht schlecht, als er vom Portier erfährt, dass er gerade vor der amerikanischen Country-Lady Nummer eins stand, die bei den in Neu-Ulm stationierten Soldaten ein Konzert gegeben hat.
Es gibt auch bekannte Menschen, die geben aus den verschiedensten Gründen keine Autogramme. „Aus Zeitgründen“ zum Beispiel Camilla Parker Bowles (Geliebte von Prinz Charles), aus „politischen Gründen“ Gregory Mustaciuolo (Kardinal), Kai Diekmann („Bild“-Chefredakteur) aus „branchenunüblichen Gründen“, Helmut Schlesinger (Bundesbank- Präsident) „aus grundsätzlichen Erwägungen“. Peter Ziehe (TV-Sportreporter) lehnt Autogramme ab wegen „Heldenverehrung, auch in der kleinsten Form“. Richard Nixon (Präsident der USA) und Francois Mitterand (Französischer Staatspräsident) schreiben ihren Namen wegen „zu vieler offiziellen Verpflichtungen“ nur ungern auf ein Stück Papier. Und der ehemalige Astronaut James Lovell teilt per E- Mail ohne Begründung im Gästebuch schlicht und einfach mit (siehe: Infos/Kontakt): „Unfortunately, I do not sign any autographs.“
Den Vogel schießt Jutta Ditfurth ab. Sie hält dieses Hobby „für alberne Zeitverschwendung“. Außerdem teilt die Grünen-Politikerin in ihrem fotokopierten Brief weiter mit: „Bevor einer Fetische sammelt und sich für Promis Zeit vergeudet, gäb’s doch soviel Wichtigeres oder Vergnüglicheres zu tun“.
„Denk nicht, dass ich die Leute vergöttere. Schwachsinn“, sagt Lenk. „Ich will das Autogramm und basta. Sportlicher Ergeiz.“ Glück gehört bei diesem Hobby auch dazu. An einem sonnigen Herbsttag 1982 schlendert der Sammler am Ulmer Rathaus vorbei und wundert sich über das große Polizeiaufgebot. „Was ist denn da los?“, denkt sich der Schüler, der durch die tägliche Zeitungslektüre immer bestens informiert ist, welche Persönlichkeiten sich gerade in der Stadt aufhalten. Prominenz war für diesen Tag nicht angesagt. Er fragt einen Polizisten, ob jemand Bekanntes beim Oberbürgermeister zu Gast sei. „Das darf ich nicht sagen“, gibt es als Antwort. Da horcht der Sammler auf und postiert sich vor dem Eingang. Nimmt ein Heft und einen Kugelschreiber in die Hand und wartet. Sein Jägerinstinkt lässt ihn auch dieses Mal nicht im Stich. Plötzlich geht die Türe auf und ein grimmig dreinschauender Mann kommt heraus. Generalbundesanwalt Kurt Rebmann, einer der bestbewachten Menschen in Deutschland, steht plötzlich vor ihm. Klar, dass dieser Besuch beim Rathaus-Chef streng geheim ist. Um so verdutzter schauen die Sicherheitsbeamten, als sie den Autogrammsammler sehen.
Glück hat Lenk auch als 17-Jähriger, als „Schwäbische Zeitung” eine Telefonaktion mit dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth (links) veranstaltet. 21 Leser kommen durch, einer davon, wie kann es anders sein, ist der Blaubeurer. „Mir fehlt noch ein Autogramm von ihnen“, teilt er seinem Landesvater mit. Und der reagiert prompt. „Komm’ einfach vorbei“, sagt Späth. Lenk schwingt sich auf sein Mofa und fährt in die Redaktion, wo ihn der Ministerpräsident mit einem Stapel unterschriebener Karten schon erwartet. „Lass’ dir von dem Mann mit der Brille noch ein Autogramm geben, der ist auch berühmt“, rät er. „Wer ist das?“ „Das ist Innenminister Roman Herzog (zweiter von links), von dem wird man in Zukunft noch viel hören“, flüstert Lothar Späth dem Älbler ins Ohr. Und er sollte Recht behalten . . .

Ein Jahr nach seinem ersten Wimbledon- Sieg laden 1988 die „Stuttgarter Nachrichten” Boris Becker zu einem öffentlichen “Sportgespräch” mit zwei Redakteuren ein. Rund 600 Leser verfolgen gespannt das interessante Interview. Am Schluss haben die Zuschauer die Möglichkeit, dem erfolgreichen Sportler einige Fragen zu stellen. Lenk macht den Anfang, hebt den Finger, steht von seinem Stuhl auf und fragt, ob er ein Autogramm haben könne. „Hat jemand was zu schreiben?”, sagt Becker, bittet den Sammler aufs Podium und erledigt das Ansinnen prompt (Fotos).
“Lieber Joachim, das was mehr Glück als Verstand.” Diese Worte schreibt SWF-3-Moderator Womi Schmidt auf seine Visitenkarte, die er in einem Kuvert beilegt, in dem die Namenszüge von “Fleetwood Mac” stecken. Warum? Ganz einfach. Die englisch- amerikanische Formation war Tage zuvor Gast bei einem Interview der Baden-Badener Rundfunkstation, das live über den Sender ausgestrahlt wurde. Lenk hatte sich während der Sendung mit dem Studio verbinden lassen und sprach mit Mick Fleetwood (Foto) am anderen Ende der Leitung. Keine Frage, um was der Blaubeurer den Bandleader und seine Musiker gebeten hatte.
Dass sich in der Lenkschen Sammlung auch eine Originalunterschrift von Bob Hope befindet, hat er dem Butler des Amerikaners zu verdanken. In der Zeitung las der Blaubeurer, dass ein Neu-Ulmer bei dem weltbekannten Schauspieler Hausdiener sei und derzeit vier Wochen Urlaub bei seinen Eltern in der Heimat verbringe. Während dieser Zeit helfe er samstags mit, auf dem Wochenmarkt frische Eier zu verkaufen. Klar, dass Lenk den Mann aufgesucht und ihn „um einen kleinen Gefallen“ gebeten hatte.
In guter Erinnerung ist Joachim Lenk auch Bundesverkehrsminister Günther Krause, von dem er sechs Flaschen Sekt bekommen hat. Der CDU-Politiker hat bei einer Wahlveranstaltung versprochen, drei signierte Bilder nach Blaubeuren zu schicken. „Das klappt doch nie“, denkt der Sammler, der diesbezüglich bei anderen Promis schon schlechte Erfahrungen gemacht hat. „Doch, ich stehe zu meinem Wort“, verspricht Krause. „Wenn bis in zwei Wochen nichts da ist, spendiere ich eine Kiste Sekt“, fügt der Minister hinzu. Als nach einem Monat noch immer keine Post aus Bonn im Briefkasten ist, ruft Lenk im Ministerium an. Dort fällt es Krause wie Schuppen von den Augen. Zwei Tage später bringt der Postbote ein großes Paket mit der Aufschrift „Zerbrechlich“.
Während Lenk Mitte der 80er-Jahre seinen Wehrdienst in Dornstadt bei Ulm absolviert, besucht der König von Nepal Birendra Bir Kikram Shah Dev die Rommel-Kaserne. Keine Frage, dass der Sammler dem hohen Gast eine Unterschrift abluchst. Apropos Bundeswehr. Wegen seines Schriftwechsels mit verschiedenen Ostblock-Politikern wird Lenk als Rekrut öfter vom MAD (Militärischer Abschirmdienst) in die Mangel genommen.

Nicht nur zu Hause, auch während eines Urlaubs im Ausland denkt der Sammler gelegentlich an sein Hobby. 1994 zum Beispiel, als ihm im brasilianischen Parati am Strand plötzlich Ronaldo (rechts) in der Badehose entgegen kommt. Gott sei Dank steht ein paar Schritte weiter ein Kiosk. Dort leiht sich der Deutsche Kugelschreiber und Papier und lässt den Weltfußballspieler unterschreiben. Seine Landsmännin Daniela Mercury (links), der Pop-Star aus Bahia, läuft dem Sammler nach dem Afro-Brasil-Festival in Tübingen in einer Kneipe zufällig über den Weg. Der freundliche Wirt hat nicht nur einen Filzstift parat, er hält die Begegnung auch noch auf einem Foto fest.
Stell’ dir vor, Du triffst einen Promi und hast keinen Kugelschreiber dabei. So geschehen als Lenk in New York unterwegs ist. In Manhattan steht an einer Fußgängerampel plötzlich Carlos Santana (links) neben ihm. Pech für den Sammler. Er und der Gitarrenvirtuose haben keinen Schreiberling dabei. „Schick mir einen Brief, dann bekommst Du dein Autogramm, die Adresse steht im Internet“, sagt der Amerikaner. Gesagt, getan. Er hielt sein Versprechen.
Gut ausgerüstet indes ist Lenk im Jahr 1987 bei einem Aufenthalt in Hinterthal in Österreich (rechts). Er hat gehört, dass ganz in der Nähe der ehemalige deutsche Bundespräsident Walter Scheel ein Ferienhaus hat. Mit ein paar Fotos und einem Füller bewaffnet, macht Lenk sich auf, das versteckt gelegene Haus am Fuße der Berge zu suchen, entdeckt es, klingelt an der Türe ohne Namensschild. Und tatsächlich. Der bekannte FDP- Politiker öffnet höchstpersönlich, bietet Lenk eine Tasse Kaffee an und signiert die Bilder.
Keine Berührungsängste kennt der Sammler zwei Jahre später bei seinem Urlaub auf den Malediven. In der Hauptstadt Male fragt er bei der Palastwache nach, ob er Unterschriften des Präsidenten Maumoon Abdul Gayoom haben könne. Die schwer bewaffneten Männer mustern den Tourist aus Europa von oben bis unten und weisen ihm den Weg in ein kleines Büro, wo Lenk seine Adresse hinterlassen muss. In Deutschland zurück. liegen die Unterschriften bereits im Briefkasten.
In London wartet der Sammler in den 80er-Jahren vor den Stage-Doors der verschiedenen Theater, wo viele Film- und Musikstars auf der Bühne stehen. Peter O’Toole (links) stellt sich gleich fürs
Erinnerungsfoto in Positur, Cliff Richard (rechts) trällerte „Rote Lippen soll man küssen“, mit Diana Rigg und Patrick MacNee unterhält sich Lenk über den großen Erfolg der Serie „Mit Schirm, Charme und Melone“ in Deutschland. Sarah Brightman zeigt sich überrascht, dass sie in der englischen Hauptstadt von einem Ausländer erkann
t wird.
1996 weilt der Sammler in Ägypten und schreibt Präsident Hosni Mubarak einen Brief, den er in den Briefkasten des Hotels wirft. Tags darauf kommt ganz aufgeregt der Hotelmanager auf den deutschen Gast zu und möchte wissen, ob er dieses Kuvert an „His Excellency“ geschrieben habe. Lenk nickt und fragt, ob er das nicht dürfe? „Doch, doch“, meint der Ägypter und klärt den Sammler auf, dass Briefe an den Präsidenten persönlich im Postamt aufgegeben werden müssen, unter Vorlage des Personalausweises oder des Reisepasses. Dafür werde das Kuvert per Einschreiben kostenlos an Mubarak geschickt. Gesagt, getan. Es funktioniert wirklich, auch wenn sich Lenk kritische und ungläubige Musterungen der Schalterbeamten gefallen lassen muss.
Der Postbote von Lenk macht sich derweil bestimmt ganz andere Gedanken. Warum bekommt der Blaubeurer regelmäßig Post aus Flensburg ohne Absender? Das können doch nur . . . Genau. Es sind die neuesten Kataloge des Erotik-Versandhauses. Die erhält der Sammler regelmäßig seit er die Chefin Beate Uhse (links) um ihre Unterschrift gebeten hat.
“Ich hoffe, Sie werden in Zukunft nicht mehr versuchen, den Staat zu schädigen.” Diese nicht ganz ernst gemeinten Zeilen schreibt 1977 der Sekretär von Postminister Kurt Gscheidle. Was war geschehen? Joachim Lenk hatte den Brief an das Regierungsmitglied mit dem Vermerk „Porto zahlt Empfänger” nach Bad Godesberg geschickt. Ob ein Postminister Strafporto bezahlen muss, wollte der 15-Jährige wissen. „Auch Bundesbehörden, selbst das Postministerium, müssen Nachporto zahlen”, klärte der Mitarbeiter den pfiffigen Schüler auf, legte aber trotzdem die drei angeforderten Autogrammbilder bei und teilte weiter mit, „dass der Herr Bundesminister Gscheidle den Brief mit Schmunzeln gelesen hat”.
Ein Glücksfall für Lenk ist die Bekanntschaft mit dem Schul- und Sportamtsleiter der Stadt Ulm in den 80er-Jahren. Der besorgt ihm eine „Zutrittsberechtigung fürs Donaustadion mit Innenraum“. Zu dieser Zeit spielt der SSV Ulm in der zweiten Fußballbundesliga. So kann sich der Sammler jeden zweiten Samstag nicht nur ein mehr oder minder spannendes Match anschauen, sondern auch alle Spieler der Gastmannschaften mit ihren Autogrammen in der Sammlung verewigen. Bei dieser Gelegenheit trifft er 1983 den noch völlig unbekannten Jürgen Klinsmann, der für die Stuttgarter Kickers spielt. Ihm ist es sichtlich unangenehm, Autogramme zu geben. „Mich kennt doch keiner“, sagt er verlegen. Sieben Jahre später wurde er 1990 mit Deutschland Weltmeister.
Apropos Fußball-Weltmeister. Die siegreichen deutschen Kicker, die 1974 den vergoldeten Pokal holen, sind in Lenks Sammlung ebenfalls verewigt. Er bekommt sie (fast) alle vor den Kugelschreiber. Ebenfalls im Donaustadion. Nach und nach schauen die erfolgreichen Männer in Ulm vorbei. Als Trainer, Manager oder als AH-Spieler, die zu einem Freundschaft- oder Benefizspiel an die Donau reisen.
Millionenbetrüger und Baulöwe a. D. Jürgen Schneider (links) macht auf der Rückseite seiner Autogrammkarte Reklame für sein Buch „Alle meine Häuser“. Zuerst bedankt er sich für das Interesse an seiner Unterschrift. Dann erinnert der Vorbestrafte noch daran, dass beim Kauf seines Buches der Erlös in vollem Umfang in den Fonds für die durch ihn unschuldig in Not geratene Handwerker fließt.
Die ersten Unterschriften 2002 erhält der Blaubeurer von den Tischtennis-Zwillinge Gaby und Meike Rohr (Vize-Europameisterinnen Mädchen im Doppel, dreifache Deutsche Meisterinnen im Doppel). Für die beiden erfolgreichen Nachwuchssportlerinnen ist es „die allererste Autogrammkarte”, die sie signiert und verschickt haben. Das schreiben die Schülerinnen dem Sammler in goldener Schrift mit auf das Farbfoto.
Das wahrscheinlich erste Autogramm, das Renate Schmidt (rechts) als Bundesfamilienministerin gegeben hat, befindet sich ebenfalls in einem der mehr als 200 Ordner in Lenks Wohnung. Die stellvertretende SPD- Parteivorsitzende hat nämlich ihr farbiges Konterfei mit dem Datum 22.10. 2002 versehen, jenem Tag, an dem ihr der Bundespräsident die Ernennungsurkunde zur neuen Ministerin in Schröders Kabinett ausgehändigt hat.
Der Blaubeurer hat eine weitere Rarität in seiner umfangreichen Sammlung. „Joachim Lenk meine guten Wünsche, 1. Juli 2004” steht neben der Unterschrift von Bundespräsident Horst Köhler (rechts). An diesem Tag ist er in Berlin als neues Staatsoberhaupt vereidigt worden.
„Unbekannten Bekannten zu schreiben, erweist sich oft als kluger Schachzug“, erzählt Experte Lenk. Solche Sternchen, die den Aufstieg zum Star oder zum Spitzensportler noch nicht geschafft haben, freuen sich über Post und antworten schnell. So kommt der Älbler unter anderem an
Unterschriften von U2, Richard Gere, Steffi Graf (die Tennisspielerin legt als 16- Jährige ein Foto aus ihrem Privatalbum bei), Madonna (links), Kim Basinger (rechts), Britney Spears, Dirk Nowitzki, Depeche Mode, John Travolta und vielen anderen, die jetzt Weltstar sind und es heute nicht mehr nötig haben, Wünsche solcher Art zu erfüllen. Und wenn doch, dann gibt es in den meisten Fällen nur Automaten- oder Druckautogramme.
So auch von dem ehemaligen amerikanischen Schauspieler Ronald Reagan, der 1980 Präsident der USA wird. Es ist verständlich, dass der mächtigste Mann der Welt bei geschätzten 4.000 Anfragen pro Monat keine Originalautogramme mehr gibt. Trotzdem hat der Blaubeurer einen originalen Reagan im Schrank stehen. Sogar mit persönlicher Widmung. Joachim Lenk hatte herausgefunden, dass die Sekretärin des Präsidenten deutschstämmig ist. Also schrieb er ihr, von Landsmann zu Landsfrau, und hat ihr seinen speziellen Wunsch vorgetragen. Drei Wochen später hielt er eine weitere Rarität in Händen.
Kein Mensch weiß, wer einmal der Nachfolger des derzeit amtierenden US-Präsidenten wird. Joachim Lenk hat trotzdem schon ein Autogramm von ihm. Der Blaubeurer ist ein Sammler mit Weitblick. Er hat bereits alle 50 Gouverneure der Vereinigten Staaten von Amerika und andere aussichtsreiche Senatoren angeschrieben. Denn einer von ihnen wird George W. Bush 2009 ablösen. Bush hatte als Staatsoberhaupt von Texas 1995 geantwortet.
Mit ziemlicher Sicherheit hat Lenk auch den neuen Papst in seiner Sammlung. Statt darauf zu hoffen, irgendwann im Leben eine Audienz beim Oberhaupt der Katholischen Kirche zu bekommen, bittet er lieber rechtzeitig die in Frage kommenden Kardinäle um ihren Namenszug. So wie bei Kardinal Joseph Ratzinger, den er ein paar Jahre vor seiner Wahl zum neuen Papst angeschrieben hat.
Was haben der Papst und Fernsehkoch Heinz Winkler gemeinsam? Beide signieren ihre Fotos nur, wenn man die Herren in Weiß persönlich trifft. Beim Oberhaupt der Katholischen Kirche ist das ja noch verständlich. Aber bei dem Kochlöffel-Schwinger Winkler? Der hat nicht mehr alle Tomaten in der Schüssel. Er lässt per Brief ausrichten, man solle sein Restaurant in Aschau besuchen, „damit Herr Winkler den Wunsch erfüllen kann”. Nur seine Gäste erhalten nämlich handsignierte Autogrammkarten.
Kennen Sie John Connally? Nein. Vielleicht nicht vom Namen her. Er ist aber bekannt wie ein bunter Hund. Er ist ein ehemaliger Gouverneur von Texas. Ist der Groschen immer noch nicht gefallen? Macht nichts. Joachim Lenk muss auch erst im Lexikon nachsehen, als er den Politiker Mitte der 70er-Jahre erhält. Es ist jener Gouverneur, der in der offenen Limousine saß, in der 1963 Präsident John F. Kennedy in Dallas erschossen wurde. Jetzt ist es vielleicht zu verstehen, wenn der Blaubeurer sagt, er schreibe manchmal auch „Unbekannte Bekannte” an, die er nicht, dafür aber andere kennen.
Anfang der 80er-Jahre kennt die ganze Welt Lech Walesa (links), den polnischen Arbeiterführer und Gewerkschafter. „Den muss ich haben“, denkt sich Lenk und schreibt einen Brief an „Lech Walesa, Danzig/Polen“. Eine Woche später kommt das Kuvert als unzustellbar zurück. Per Stempelaufdruck teilt die polnische
Postbehörde mit: „In Danzig unbekannt.“ Kein Grund, die Flinte gleich ins Korn zu werfen. Lenk schreibt weitere zehn Briefe an den „Solidarität“-Vorsitzenden. Irgendwann müssen die Behörden vor dem hartnäckigen Sammler kapituliert haben, denn 1983 antworte der neue Friedensnobelpreisträger mit zwei signierten Fotos. Ausdauer ist auch bei John Lennon (rechts) gefragt. Sieben Briefe nach New York sind bei dem Ex-Beatle nötig, bis er, ein halbes Jahr vor seiner Ermordung, antwortet.
Nicht geantwortet hat dagegen 1997 die amerikanische Außenministerin Madeleine Albright. Dafür sorgt sie für Aufruhr beim örtlichen Polizeirevier auf der Alb, das einen Anruf vom amerikanischen Geheimdienst CIA erhält. Man benötige Informationen über einen gewissen Joachim Lenk, bittet eine Stimme am anderen Ende der Telefonleitung in fast akzentfreiem Deutsch. Worum er denn gehe, will der Revierleiter wissen. Vielleicht
um einen russischen Agenten unter falschem Namen? „Nein, nein“, beteuert der Amerikaner am Telefon. Vielmehr hat der besagte Blaubeurer an die US-Außenministerin geschrieben. Nicht an ihren Amtssitz, sondern an ihre Privatadresse in Washington DC. Und das war dem Geheimdienst nicht ganz geheuer. Woher hat der Deutsche diese – angeblich – streng geheime Anschrift der Politikerin? Wer weiß, vielleicht plant er gar einen Anschlag auf die ehemalige UN-Botschafterin? Fragen über Fragen, weshalb der unbescholtene Sammler aufs Revier muss. Erst als er dem CIA zahlreiche Presseberichte und Briefe von anderen prominenten amerikanischen Politikern faxt, geben sich die Männer des Geheimdienstes zufrieden und entschuldigen sich für die Unannehmlichkeiten. Die Lacher hat Lenk auf seiner Seite, als er den CIA-Mitarbeitern erzählt, dass er die Albright-Anschrift einige Wochen zuvor von der Amerikanischen Botschaft in Bonn erhalten hat.
Botschaften aller Länder helfen übrigens bereitwillig weiter, wenn es um Anschriften von Politikern geht. Adressen von Showgrößen, Astronauten, Schauspielern, Musikern, Geistlichen, Königen und Sportlern sind in einschlägigen Sammlermagazinen, Zeitschriften und Adressbüchern nachzulesen. Händler und Tauschpartner helfen ebenfalls weiter. An die Anschriften alter Militaristen in Deutschland, die hierzulande nicht bekannt waren, erhält Lenk Anfang der 80er-Jahre von Tauschpartnern aus den USA. So kommt er noch an den Namenszug von Albert Speer, Großadmiral a. D. Karl Dönitz (links) und Adolf Galland.
Mit dem Landeskriminalamt Baden- Württemberg ist Lenk ebenfalls schon in Kontakt gekommen. Nicht wegen des Briefverkehrs mit den hochdekorierten Weltkrieg-Soldaten. Nein. Vielmehr erhielt er von einem Tauschpartner die Unterschrift des ehemaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer. Weil er Zweifel hat, ob es sich dabei um eine Originalsignatur handelt, schickt er, ohne lange nachzudenken, das Foto einfach an die Behörde nach Stuttgart. Mit der Bitte um Prüfung. Zwei Wochen später meldet sich ein Schriftsachverständiger des Kriminaltechnischen Institutes des Landeskriminalamtes. Er teilt mit, dass entsprechende Untersuchungen nur in Strafsachen durchgeführt werden dürften. Da ihn die Frage des Sammlers „aus fachlichen Gründen interessiert“, ist er dennoch bereit, sich „privat mit dem Fall auseinander zu setzen“. Lenk atmet auf. Anhand einer stereomikroskopischen Untersuchung schließt der Experte den Einsatz eines Stempels aus.
Seit Anfang der 90er-Jahre Jahre pflegt Joachim Lenk sein Hobby nur noch vom Schreibtisch aus. „Warten und Anstehen vor Hotels und Hallen, das schon ist lange vorbei“, schmunzelt er. Dafür liest er jetzt verstärkt die Klatschspalten. Dort erfährt man, wo, welcher Prominente gerade einen Film dreht oder einen Auftritt hat. Das entsprechende Hotel ausfindig zu machen, ist dann keine Schwierigkeit mehr. Seine Bitte um einen Federstrich schickt der Älbler dann dorthin.

Nicht nur David Copperfield, AC/DC, David Bowie, Emil und Dana Zatopek, Muhammad Ali, Jean-Paul Belmondo und David Copperfield bekommt er auf diesem Weg. Auch der Reggae-Sänger Bob Marley (links) antwortet ihm, als er sich 1981 in einer deutschen Krebsklinik behandeln lässt. Jack Lemmon (rechts) unterschreibt auf einer Postkarte des Wiener Hotels Imperial, in dem er einige Wochen logierte.
Manchmal kommt es vor, dass der Sammler prominente Zeitgenossen ganz zufällig trifft. So geschehen im Kennedy Space Center in Cap Canaveral in Florida. Eigentlich will sich Lenk nur einmal alles rund um die Raumfahrt vor Ort ansehen, als plötzlich ein Mann in einem blauen Overall vor ihm steht, den er zuvor in der Ausstellung auf einem Foto gesehen hat. Was der Deutsche beim Kauf seiner Eintrittskarte nicht wusste, liest er wenig später im Prospekt. Die NASA bietet seit 2003 ein besonderes Schmankerl für Besucher an. Jeden Tag schaut ein ehemaliger Astronaut vorbei, beantwortet Fragen, erzählt von seiner Mission im Weltraum und schreibt Autogramme. So kommt Lenk an die Signatur von William Pogue, der Anfang der 70er- Jahre mit Skylab 4 beim längsten bemannten Flug mit von der Partie war.
Amerikanische Politiker haben in den 60er-Jahren damit begonnen, ihre Signaturen von Schreibautomaten (Autopens) originalgetreu reproduzieren zu lassen. Astronauten, Schauspieler und Sportler folgten. Die Promis in Deutschland ziehen zwei Jahrzehnte später nach. Unter anderen alle Regierungsmitglieder samt jeweiligem Bundeskanzler sowie die Fußballer von Eintracht Frankfurt und dem Hamburger Sportverein (siehe: Veröffentlichungen). Von diesen “künstlichen” Unterschriften hält Lenk nichts. Deshalb schreibt er bei seinen Autogrammwünschen grundsätzlich dazu, dass man ihm solche Signaturen erst gar nicht schicken zu braucht. “
„Die landen alle im Papierkorb”, sagt Lenk, der mit seinem geschulten Auge die Autopens sofort entdeckt. Dann schreibt er den Betreffenden abermals, mit der Bitte, eigenhändig zu unterschreiben, was in den meisten Fällen dann prompt erledigt wird. Nur nicht von CDU-Generalsekretär Heiner Geißler. „Ich weiß nicht, wie Sie darauf kommen, dass bisher die Postkarten, die Sie erhalten haben, mit Maschinenunterschrift versehen waren”, lässt der Christdemokrat in einem Brief mitteilen. Unterschrieben, Lenk traut seinen Augen nicht, von Geißlers Automat (oben, erste Unterschrift). „Für so dumm hat mich noch keiner verkauft”, ärgert sich der Blaubeurer und erzählt die Geschichte bei seinem ersten TV-Interview 1984 (siehe: TV-Auftritte). Als Beweis legt er den Brief und eine identisch signierte Autogrammkarte vor. Dieser Bericht kommt dem Politiker zu Ohren, denn er verbannt daraufhin die Maschine in den Schrank, wie CDU-Sprecherin Christiane Bertels bei einem Gespräch einräumt.
Bislang hat es noch kein Promi freiwillig zugegeben, wenn er seinen Schriftzug nicht eigenhändig aufs Fotos gekritzelt hat. Einzige Ausnahme ist der bekannte englische Astrologe Patrick Moore. Seine Sekretärin legt den beiden signierten Fotos noch ein Schreiben bei: „Sorry these are not original signatures, but due to a medical problem with Moore’s hand, he is unable to write.”
Der amerikanische Vizepräsident Walter F. Mondale ist ebenfalls ein netter Mensch. Auch er antwortet. Nicht nur mit einem signierten Großfoto. Zudem liegt im Kuvert noch ein Brief bei, in dem er beteuert, keine Unterschriften-Maschine im Büro zu haben. In Gegensatz zu Heiner Geißler hat Mondale tatsächlich selbst unterschrieben.
Martina Navratilova, Arnold Schwarzenegger und die Kicker der ersten und zweiten Fußballbundesliga legten indes keine Unterschriften bei, sondern einen Brief, mit dem Hinweis, dass sie für ihr Gekritzel Geld haben wollen. Lenk tippt sich oben an die Stirn und schimpft: „Für eine Unterschrift zahle ich doch nicht.“ Nichts kaufen und nicht verkaufen. So lautet Lenks Maxime seit mehr als drei Jahrzehnten. „Es soll ein Hobby bleiben, bei dem der sportliche Ehrgeiz nicht verloren gehen darf“, beteuert er. Nur zwei Mal ist er seinem Vorsatz untreu geworden. Und zwar bei Hermann Oberth (links) und Friedensreich Hundertwasser. Der eine wollte eine kleine Spende für sein Weltraum-Museum, der andere einen geringen Obolus für eine gemeinnützige Organisation. Die Überweisungen wurden von den beiden prominenten Zeitgenossen prompt mit signierten Fotos belohnt.
Um an Autogramme von prominenten Zeitgenossen zu kommen, gab es Ende der 90er-Jahre zwei Möglichkeiten. Entweder einen Brief zu schreiben, oder hoffen, dass die Promis einem vor den Kugelschreiber laufen. Seit Anfang des 21. Jahrhunderts gibt es einen zusätzlichen Weg, um bekannten Musikern, Sportlern, Politikern, Schauspielern, Models und Wirtschaftsbossen ihre Signaturen abzuluchsen. Und zwar per E-Mail. Heute ist es relativ einfach, an die entsprechenden elektronischen Anschriften zu gelangen. Entweder über die eigene Homepage der Prominenten, über Fanclubs, Plattenfirmen, Parteizentralen oder Agenturen. Eine weitere Möglichkeit sind spezielle E-Mail- Adressbücher, die es im Buchhandel gibt, oder Computer-Zeitschriften, die regelmäßig entsprechende virtuelle Anschriften veröffentlichen.
So eine E-Mail hat außerdem mehr Vorteile gegenüber einem Brief, der mit der Post verschickt wird. Von der Schnelligkeit einmal abgesehen, ist der finanzielle Aspekt nicht von der Hand zu weisen. Innerhalb von Deutschland kostet eine Anfrage 0,55 Euro Porto. In die meisten außereuropäischen Länder sind bereits 1,50 Euro fällig. Und legt der Sammler noch den obligatorischen frankierten Rückumschlag oder einen Internationalen Antwortschein bei, sind pro Promi zwischen einem 1,10 Euro und drei Euro fällig. Eine E-Mail ist also billiger und komfortabler. Man kann sie bequem vom Schreibtisch aus verschicken. Und wenn einer der Stars umgezogen ist, hat die elektronische Post einen weiteren Vorzug. Innerhalb kürzester Zeit kommt die Information auf den heimischen Computer zurück, dass die Adresse nicht mehr aktuell ist.
Mitte 2001 macht Joachim Lenk die Probe aufs Exempel. Etwa 1.000 prominenten Zeitgenossen, Stars und Sternchen aus allen Bereichen im In- und Ausland bittet er per E-Mail freundlich um handsignierte Autogrammkarten. Natürlich vergisst der Älbler die
private Wohnanschrift mit Postleitzahl und Straße nicht.
Um es gleich vorwegzunehmen. Das Ergebnis dieses Tests ist überwältigend. Mehr als die Hälfte antwortet tatsächlich. Per E-Mail oder mit originalunterschriebenen Fotos. Sage und schreibe landen so rund 600 signierte Fotos aus
der ganzen Welt innerhalb von sechs Monaten nicht im virtuellen, sondern im richtigen Briefkasten in Blaubeuren auf der Alb.
So zum Beispiel Autogramme von DJ Bobo, Neil Diamond (oben links), Judas Priest, Alphaville, Tony Curtis, Steffi Graf, Emil, vielen Bundestagsabgeordneten aller Parteien, Staatsoberhäuptern rund um den Globus, bekannten Sängerinnen wie Lane Brody (rechts), Formel-1-Fahrern, den Radprofis des Team Telekom, Sportlern wie Zehnkämpfer Frank Busemann und Mittelstreckenläufer Dieter Baumann sowie den Entertainern und Moderatoren Harald Schmidt (links) und Günther Jauch.
Die schweizer Eiskunstläuferin Kimena Brog Meier antwortet nicht nur mit ihrer Unterschrift, sie verewigte sich auch noch im Gästebuch dieser Homepage (siehe: Infos/Kontakt). „Hallo, Herr Lenk, ich empfinde es als eine große Ehre, von Ihnen um ein Autogramm angefragt zu werden”, schreibt die Sportlerin. Und Michael Fitz platziert auf seiner privaten Homepage (siehe: www.Michael-Fitz.de) (rechts) einen Link, der auf diese Seiten verweist. Dort erfahre man alles übers Signaturen-Sammeln, schreibt der sympathische Sänger und Schauspieler.
Nicht nur bis Fitz hat es sich herumgesprochen, dass Joachim Lenk ein Experte in Sachen Autogramme ist. Mitte der 80er-Jahre lässt sich die Redaktionen der Jugendzeitschriften “Bravo” (Deutschland) und “Rennbahn Express” (Österreich) die Anschriften der zu dieser Zeit angesagten Promis mitteilen, die dann “als geheime Adressen der Stars” in den Publikationen “exclusiv” veröffentlicht werden.
Die englische Band „Street Boys” denkt sich zur Präsentation ihrer neuen Single “Some Folks” etwas Besonderes aus. Sie bestellen sich bei Lenk Kopien von Schreiben, die er vom libyschen Staatspräsidenten Moammer El Kadhafi, der englischen Prinzessin Diana (links), dem philippinischen Staatsoberhaupt Ferdinand E. Marcos, dem Mitglied des amerikanischen Repräsentantenhauses Philip M
. Crane, dem UN-Generalsekretär Perez de Cuellar und PLO-Chef Yasser Arafat (rechts) erhalten hat. Auf das jeweilige Briefpapier wird ein neuer Text kopiert, der dem Empfänger die neue Scheibe der Popband schmackhaft macht. Die Schreiben gehen an in- und ausländische Radiostationen und verschiedene Pressevertreter. Diese ausgefallene Werbeaktion hat sich gelohnt. “Some Folks” ist 1986 in Großbritannien ein Top-Ten-Hit.
Das Monatsmagazin “GQ” lässt sich die Unterschriften „von erfolgreichen deutschen Männern” schicken, legt sie einem Graphologen vor, der anhand des Schriftbildes die Persönlichkeitsstruktur der betreffenden Personen erstellt. Die Ergebnisse waren in einem der folgenden Hefte nachzulesen.

